Frank Mußmann, Harald Büsing (Hrsg.): Arbeitsgestaltung als Zukunftsaufgabe

Jahrestagung des niedersächsischen Kooperationsstellennetzwerks Hochschulen und Gewerkschaften

Peter Lang GmbH - Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2003, 140 S., ISBN : 3-631-52389-0 br

16,80 €



Ansprüche zur Gestaltung von Arbeit zu formulieren in Zeiten anhaltend hoher Arbeitslosigkeit und angesichts des zentralen Konfliktfeldes internationale Wettbewerbsfähigkeit – ist das nicht Luxus oder gar ein illusionärer Anspruch? Schließen sich betriebswirtschaftlich formulierte Effizienzansprüche und betriebliche Gestaltungsfragen nicht wechselseitig aus?

Mitnichten! Fragen nach der Zukunft der Arbeit, nach ihren Formen, ihren Orten und nach ihrer Gestaltung bestimmen die arbeitspolitische Debatte vielleicht mehr denn je. Zu beobachten ist dies nicht nur in den aktuellen Diskussionen zur betrieblichen Umsetzung von Arbeitszeitverkürzung einerseits oder Arbeitszeitverlängerung andererseits, zum flexiblen Personaleinsatz, zu komplexen Qualifikationsanforderungen, zum lebenslangen Lernen, zur Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer, zur Arbeitsmotivation oder etwa zu Burn-out-Problemen. Noch differenzierter sind die Diskussionen zur wachsenden Verantwortung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei der Steuerung komplexer Produktionsprozesse und bei der Ausschöpfung von Innovationspotenzialen in Unternehmen. Überall ist die zunehmende Relevanz von Fragen der Arbeitsgestaltung greifbar.

‚Arbeitsgestaltung’ wird heute umfassender definiert als noch zu Zeiten des Programms zur ‚Humanisierung der Arbeitswelt’ (HdA). „Wir brauchen eine neue Offensive für eine humane Gestaltung der Arbeit in den Betrieben“, so Jürgen Peters, Vorsitzender der IGM in der ‚Mitbestimmung’ 7/2003 (S. 17). In die gleiche Richtung argumentiert Heinz Putzhammer, Mitglied im Bundesvorstand des DGB, in diesem Band. Und als Vertreter der Wissenschaft erkennt Michael Schumann neue und erweiterte Perspektiven für die Innovationsgestaltung in Unternehmen.

Gleichwohl führen die immer noch wachsende Dynamik der internationalen Arbeitsteilung und dominante Kapitalverwertungsstrategien zu tief greifenden Umbrüchen in der Arbeitsgesellschaft, die die Akteure immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Langfristige Trends zur Höherqualifikation, zu steigender Wissensintensität als Resultat immer komplexerer Produktionsanforderungen stehen kurzfristigen Renditeerwartungen gegenüber, die eher traditionellen Rationalisierungsmustern den Weg bereiten. Vielfalt und Differenzierung kennzeichnen erneut die Situation. ‚Neue Chancen’ und ‚neue Polarisierungen’ stehen einander gegenüber, Diskussionen werden wieder engagierter geführt.

Die Kooperationsstellen Hochschulen und Gewerkschaften an den niedersächsischen Universitäten und Fachhochschulen thematisieren die ‚Zukunft der Arbeitsgestaltung’ im Rahmen ihres Wissenschafts-Praxis-Dialogs mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der von Peters und anderen geforderten ‚Gestaltungsoffensive’ korrespondiert eine gemeinsame Tagungsreihe. Mit ihr greifen die Kooperationsstellen das erweiterte Themenfeld auf, definieren Gestaltungsoptionen, -chancen und -erfordernisse aus wissenschaftlicher Sicht und diskutieren die sich eröffnenden betrieblichen Handlungsmöglichkeiten mit Wissenschaftlern und Praktikern.

In dem von Frank Mußmann und Harald Büsing herausgegebenen Band „Arbeitsgestaltung als Zukunftsaufgabe“ (Frankfurt am Main 2003, Peter Lang Verlag) werden die Beiträge und Ergebnisse der Tagung im Sommer 2002 in Göttingen zusammen gefasst.