Erster DGB-Hochschulreport für Niedersachsen

Thema: Der erste DGB-Hochschulreport für Niedersachsen im Auftrag vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist erschienen. Die Analysen zeigen auf, dass die Qualität der Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigungsgruppen an Hochschulen in Niedersachsen insgesamt kritisch bewertet wird – stellenweise werden explizit schlechte Arbeitsbedingungen attestiert.

Download des DGB-Hochschulreports für Niedersachsen hier

 

Der »DGB-Hochschulreport Niedersachsen – Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen an Universitäten in Niedersachsen« untersucht die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung an den Universitäten aus Sicht der Beschäftigten. Die Daten für die Analysen im DGB-Hochschulreport wurden im Jahr 2019 im Rahmen einer quantitativen Online-Befragung des DGB erhoben, mit dem Ziel, Informationen zur Arbeitssituation der Befragten zu erhalten. Hierfür wurden Basisfragen des DGB-Index „Gute Arbeit“ (entwicklungsförderliche und belastungsarme Arbeitsbedingungen) verwendet.

Die Online-Befragung, Auswertung und Erstellung des Berichts wurden von SowiTra (Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer, Berlin) in Kooperation mit dem Umfragezentrum Bonn (uzbonn) durchgeführt. Der Befragungszeitraum war der 23. September 2019 bis 7. November 2019, also vor Begin der Corona-Pandemie. Ein Vergleichszeitpunkt vor der Pandemie ist hier besonders wichtig, um bei Fragen der Zukunftsgestaltung nicht auf Krisenbedingungen zurückzugreifen. Der Feldzugang erfolgte in Niedersachsen über die Personalräte und Personalrätinnen der Hochschulen, die vom DGB-Bezirk angesprochen wurden.

Die Qualität der Arbeit, Befristungen, Arbeitszeiten/Arbeitslage, Arbeitsintensität, Zufriedenheit des Einkommens und das Thema Rente bilden die Schwerpunkte des Berichts. Dabei werden die fast 1.200 Beschäftigten aus fünf Universitäten in Niedersachsen nicht nur bezüglich des Umfangs der Themenfelder befragt, sondern ebenfalls zu der subjektiven Belastung dieser Arbeitsbedingungen. Die Teilnahmequote der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beträgt 5,7% und die der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung 5,6% der jeweiligen Grundgesamtheit.

DGB-Report zeigt Missstände der Arbeitsbedingungen an niedersächsischen Hochschulen auf

Bezüglich der Qualität der Arbeit bewerten die Befragten die Qualität ihrer Arbeitsbedingungen schlechter ein als die jeweiligen Vergleichsgruppen. Bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird die Arbeitsintensität besonders negativ bewertet, das gilt auch für den Bereich Einkommen und Beschäftigungssicherheit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Technik und Verwaltung bewerten lediglich die Arbeitszeitlage und die Gestaltungsmöglichkeiten positiv. Besonders starke negative Abweichungen zeigen sich bei Entwicklungsmöglichkeiten, Betriebskultur, Sinn der Arbeit, Einkommen und Beschäftigungssicherheit. Die Unsicherheit durch Befristungsverhältnisse wirkt sich sehr belastend auf die meisten Befragten aus.

Befristungsquoten und Teilzeitquoten sind an den niedersächsischen Hochschulen sehr hoch, insbesondere bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die schon promoviert sind. Aber auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung sind häufig Drittmittelprojekte der Grund für Befristungen. Für die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt dies eine große Belastung aufgrund unsicherer Karriereplanung dar und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung aufgrund des zu geringen Einkommens. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf mögliche Rentenansprüche. „Gute Wissenschaft an Hochschulen kann nur mit guten Arbeitsbedingungen und gutem Personal gelingen. Der Hochschulreport zeigt, dass die Beschäftigten die Qualität der Arbeitsbedingungen aber nicht gut bewerten. Für attraktive Hochschulen und bessere Beschäftigungsbedingungen sind eine bessere personelle Ausstattung, mehr Dauerstellen, mehr Personalentwicklung und mehr Wertschätzung notwendig.“ (Dr. Frank Mußmann, Leiter der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen und Mitglied des Fachbeirats des DGB-Index Gute Arbeit).

Bezüglich Arbeitszeiten zeigt sich, dass die Beschäftigungsgruppen über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus arbeiten. Im Durchschnitt arbeiten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pro Woche mehr als 8 Stunden länger als vertraglich vereinbart. Je kürzer die vereinbarte Arbeitszeit ausfällt, desto größer wird der Abstand zur tatsächlich geleisteten Arbeitszeit. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Technik und Verwaltung arbeiten durchschnittlich 2 Stunden pro Woche länger.

Der DGB fordert anhand der Ergebnisse des Reports einen Zukunftsvertrag Studium und Lehre, der den Namen auch verdient

Dauerstellen waren vom Bund als Ziel vorgesehen, in Niedersachsen findet sich das in den Zielvereinbarungen nur unzureichend wieder. Niedersachsen braucht eine verlässliche und auskömmliche Hochschulfinanzierung, damit die Hochschulen in Niedersachsen auch weiterhin ein Standortfaktor für Unternehmen und ein attraktiver Arbeitgeber für qualifiziertes Personal in Hochschulen bleiben können. Wenn hier gespart wird, schlägt sich das unweigerlich beim Personal nieder. „Der vorliegende Report liefert klare Anhaltspunkte, was es für Gute Arbeit im Wissenschaftsbereich braucht, wo Bundes- und Landespolitik sowie Hochschulen aktiv werden müssen, um hochwertige Lehre und Forschung für Gesellschaft und Wirtschaft in Niedersachsen zu ermöglichen. Ein zentraler Startpunkt sind sichere und faire Beschäftigungsverhältnisse, die der Normalfall und nicht die Ausnahme sein müssen. Nur so kann die Wissenschaft ihr volles Potential entfalten.“ (Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB Niedersachsen, Vorwort des DGB Hochschulreport Niedersachsen).

Den Gesamtbericht finden Sie im Downloadbereich oder auf der Infoseite des DGB Niedersachsen.