Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie Frankfurt 2020

Thema: Arbeitszeiterfassung und Qualität der Arbeitsbedingungen sowie psychische Belastung von Lehrer/innen Frankfurt.

Ziel: Untersuchung der Arbeitssituation von Lehrkräften in Frankfurt, Identifikation von Belastungsfaktoren, von Belastungsspitzen, von Belastungsprofilen jeweils nach Schulformen und Lehrkraftgruppen, außerdem Identifikation dringender Handlungsbedarfe.

Aktuelle Projektphase: Veröffentlichung 23. September 2020. Das Projekt „Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie Frankfurt“ ist abgeschlossen.

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Im Rahmen der Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften, Landesverband Hessen haben 1.199 Lehrerinnen und Lehrer in der Erhebungsphase vom 10. Februar 2020 bis 8. März 2020 ihre Arbeitszeiten zeitnah und minutengenau in einem speziell entwickelten Zeiterfassungstool für schulische Tätigkeiten eingetragen. Darüber hinaus haben 1.477 Lehrerinnen und Lehrer mithilfe eines Onlinefragebogens umfassend Auskunft über ihre Arbeitssituation und ihre Arbeitsbelastung gegeben. Es fand weiterhin eine Expert*innenbefragung zu allgemeinen schulischen Merkmalen statt (Gebäudeinfrastruktur, Digitalausstattung, soziale Merkmale und Herausforderungen der Schülerschaft, etc.), die ebenfalls online als Befragung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durchgeführt wurde. Die Studie wurde an Grundschulen, Gymnasien, Integrierte und Kooperative Gesamtschulen sowie Berufsbildende Schulen durchgeführt (insgesamt 69 Schulen).

Ziel der Arbeitszeituntersuchung ist es, auf repräsentativer Grundlage das Verhältnis von SOLL- und IST-Arbeitszeit von Lehrkräften in Frankfurt für ein pädagogisches Jahr zu ermitteln. Das bereits vorliegende praxistaugliche Studiendesign der ganzjährigen Studie in Niedersachsen (Mußmann et al. 2016) dient für die Frankfurter Studie zur Orientierung und als Referenzbasis zur Hochrechnung der Ergebnisse auf ein gesamtes Schuljahr in Frankfurt am Main. Hessische Lehrkräfte liegen mit ihrer gesetzlichen Jahresarbeitszeit (SOLL-Arbeitszeit 1.808 Std.) an der Spitze in Deutschland. Zugleich liegt diese Jahresarbeitszeit deutlich über dem OECD-Durchschnitt (1.612 - 1.634 Std.) und sehr deutlich über dem der EU23 (1.539 - 1.572 Std.). Die Ergebnisse der Arbeitszeiterfassung zeigen, dass Frankfurter Lehrkräfte über das Jahr gesehen pro Woche 48:27 Stunden arbeiten ("Durchschnittswoche", kalkulatorische IST-Arbeitszeit je Vollzeitlehreräquivalent, VZLÄ). Sie leisten eine durchschnittliche Mehrarbeit von knapp einer Stunde (51 Minuten) pro Woche. Durch das Arbeiten an Wochenenden oder Feiertagen ist eine 7-Tage-Woche zu Schulzeiten für Lehrkräfte quasi-obligatorisch. Dies führt zu fehlenden Erholungszeiten und zeigt deutliche Entgrenzungstendenzen.

Über ihre Unterrichtsverpflichtung hinaus, gehen Frankfurter Lehrkräfte weiteren außerunterrichtlichen Aufgaben nach. Neben Funktionsaufgaben werden hier von Lehrkräften konkret die Zunahme von Verwaltungsaufgaben und Dokumentationsverpflichtungen genannt, sowie die steigende Zeit für Konferenzen und Sitzungen, welche im Durchschnitt nicht mehr im Rahmen der Arbeitszeitordnung erfüllt werden können. Die Arbeit von Frankfurter Lehrkräften wird mehrheitlich als hochbelastend bewertet – auch im Vergleich zu vergleichbaren Berufsgruppen. Es zeigt sich ein durchgängiges Beanspruchungsmuster für die meisten Lehrkräfte v.a. aufgrund der beschriebenen hohen Arbeitsintensität und von zu wenig Erholungs- und Entlastungsmöglichkeiten während der Schulzeit. Als Folge dieser Beanspruchungen zeigen sich u.a. höhere Personal Burnout-Werte (CBI) der Lehrkräfte im Vergleich zu anderen Bundesländern. Insbesondere Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen fordern Lehrkräfte erheblich, was sich ebenfalls in einer ungünstigeren Bewertung der Arbeitsbedingungen (DGB-Index Gute Arbeit) und in höheren Burnout-Werten niederschlägt. Auch die (neue) pädagogische Aufgabe der Inklusion, eine vielfach mangehafte Gebäudeinfrastruktur u.v.m. wird vielfach als stark beanspruchend erfahren. Die Ergebnisse dokumentieren eine Reihe von Folgewirkungen dieser Arbeitssituation für die Gesundheit der Lehrkräfte.

Durch die systematische Überlastung und Überforderung sowie damit einhergehende Folgewirkungen entsteht durchaus eine Gefährdung für die Zukunft des Schulsystems: Wenn Lehrkräfte dauerhaft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen müssen, kann dies die Bildungsqualität negativ beeinflussen. Die Studie zeigt, welche Zusammenhänge und Strukturen der Belastung und Beanspruchung bei Lehrkräften generell auftreten und was für gute Arbeitsbedingungen von Lehrkräften in der Zukunft besser gestaltet werden kann und müsste - nicht zuletzt um die Attraktivität des Lehrberufs wieder zu steigern.

Partner:

  • uzbonn – Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation

Verantwortlich:

  • Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen

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